Unterschiede zwischen den Generationen
Der europäische Integrationsprozess fand nicht
nur auf politisch-wirtschaftlicher Ebene statt, sondern ist auch durch
eine zunehmende Annäherung der Alltagskultur geprägt. Zunächst
liberalisierte, dann harmonisierte Marktbedingungen schufen die Voraussetzung
für Marketing im europäischen Rahmen; eine immer größere
Medienvielfalt in allen europäischen Ländern erhöhte die
Möglichkeiten länderübergreifender zielgruppenspezifischer
Kommunikation. Die drastische Zunahme privater Fernsehsender führte
zu einer europäischen Programmvielfalt mit immer stärkerer Annäherung
der Inhalte; so ist das Angebot von MTV international präsent und
prägt stilistische Präferenzen junger Leute und in allen Ländern
können die gleichen Serien, ähnliche Soaps und adaptierte Reality-TV-Formate
empfangen werden. Parallel dazu wurde Markenkommunikation im letzten Jahrzehnt
zunehmend internationalisiert: Im Extremfall kann man in allen Ländern
Europas gleiche Spots im gleichen Programmumfeld betrachten und beim Lesen
von Zeitschriften auch die gleichen Anzeigen wahrnehmen.
Führt die Annäherung der Rahmenbedingungen europäischer
Lebens- und Markenwelten auch zu einer Annäherung der Alltagswahrnehmung?
Sind sich junge Frauen in Europa in ihren Einstellungen und Konsumgewohnheiten
ähnlicher als ältere? Die EuroKA Beauty gibt Ansatzpunkte, diese
Fragen für einen wichtigen Bereich weiblichen Konsumverhaltens zu
untersuchen.
Modellhaft lassen sich die Befragten der Altersgruppen 15–29 Jahre,
30–49 Jahre und 50–64 Jahre unterschiedlichen Stadien des
Europäisierungsprozesses zuordnen. Haben die Ältesten ihre Beauty-Vorlieben
noch in weitgehend getrennten Märkten entwickelt, steht die Generation
der 30–49-jährigen für das Heute, die Annäherung
der Märkte. Die Einstellungen und Verhaltensweisen der jüngsten
Altersgruppe wurden schon unter Bedingungen geprägt, die in vielerlei
Hinsicht dem Markt von morgen gleichen, in dem der Euro die sich angenäherten
Marketing-Voraussetzungen symbolisiert.
In ihren Einstellungen zum Thema Beauty unterscheiden sich die Generationen
Europas in mancherlei Hinsicht deutlich. So haben Jüngere ganz allgemein
mehr Spaß am Thema Beauty und sind bei Kosmetik auch wesentlich
probierfreudiger als die ältere Generation. In anderer Hinsicht gibt
es kaum Differenzen: Die Marke zählt für Jüngere und Ältere
gleich, und beide Generationen begegnen dem großen Angebot an Marken
und Produkten heute gleichermaßen souverän. Nur einem Aspekt
der untersuchten Einstellungen stimmen Ältere überproportional
zu: Die Überzeugung, man brauche keine Kosmetikprodukte um sich gepflegt
zu fühlen, ist bei Älteren auch heute noch vergleichsweise populär.
Die wichtigsten Einstellungsunterschiede
| höhere Zustimmung bei 15–29-jährigen (als bei 50–64-jährigen) | |
| Ich kleide mich gern nach der neuesten Mode |
|
| Ich mag Kosmetikmarken, die häufig neue Produkte herausbringen | |
| Bei Produkten für Kosmetik und Körperpflege probiere ich häufiger mal was Neues aus | |
| Ich probiere gern einen neuen Duft aus |
|
| Mir macht es Spaß, mich zu schminken |
|
| niedrigere Zustimmung bei 15–29-jährigen (als bei 50–64-jährigen) | |
| Bei dem großen Angebot an Kosmetik, das es heute gibt, blicke ich nicht mehr durch, da fühle ich mich unsicher | |
| Bei Kosmetikprodukten vertraue ich nur bekannten Marken | |
| Ich kaufe Kosmetik vorwiegend in der Apotheke |
|
| Bei vielen Produkten kommt für mich nur eine bestimmte Marke in Frage | |
| Um mich sauber und gepflegt zu fühlen, genügen mir Wasser und Seife |
Zwischen den beiden Generationen, die für das Gestern und das Morgen der Markenführung stehen, gibt es in den einzelnen Ländern unterschiedlich ausgeprägte Einstellungsdifferenzen. Besonders stark sind diese Differenzen in Spanien und Großbritannien.Den Ländern also, die sich erst spät zum europäischen Gesamtmarkt bekannt haben. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass dort, wo nationale Besonderheiten lange die Marketing-Voraussetzungen prägten, mit der Öffnung der Märkte auch ein stärkerer Bruch mit tradierten Beauty-Gewohnheiten erfolgte, als in Ländern, in denen dieser Übergang fließender war.
Länderspezifische Abweichungen zwischen den Generationen*

| * Summe der länderspezifischen Abweichungen in Prozentpunkten zwischen den 15–29-jährigen und 50–64-jährigen Frauen im Vergleich zu Europa insgesamt |
Über alle 40 Einstellungs-Statements zeigt sich
in Europa ein Generationsunterschied zwischen Jung und Alt von 518 Prozentpunkten.
Deutschland liegt mit + 26 Prozentpunkten nur leicht darüber, Spanien
zeigt mit +106 Prozentpunkten (noch immer) die größten Generationsunterschiede.
In den untersuchten Ländern sind zum Teil sehr unterschiedliche Einstellungsdifferenzen
zwischen „Gestern“ und „Morgen“ besonders prägnant.
Auffallend ist, dass der Wunsch, sich selbst etwas zu verwöhnen,
die Generationen in den südlichen Ländern wesentlich stärker
unterscheidet als im übrigen Europa; dagegen gibt es in Spanien,
dem Land mit den größten Generationsunterschieden insgesamt,
kaum einen Unterschied im Schminkbewusstsein der Altersgruppen. Die Bereitschaft,
für Mode auch viel Geld auszugeben, unterscheidet in Großbritannien
Jung und Alt stärker als anderswo.
Generationsunterschiede: Differenzen im Zustimmungsniveau

Differenzen im Zustimmungsniveau 15–29-jähriger
und 50–64-jähriger Frauen in Prozentpunkten;
Lesebeispiel: In Deutschland ist der Anteil der 15–29jährigen,
die sich „gern nach der neuesten Mode kleiden“, um 31 Prozentpunkte
höher als der entsprechende Anteil der 50–64-jährigen
Frauen
